Meltdown und Spectre

Hacker aller Herren Länder freuen sich über Geschenke der Prozessor-Industrie. Der gesamten Industrie. Manche verteilen weniger nützliche Geschenke als andere, aber alle sind beteiligt. Nur diese Industrie ist in der Lage eine nützliche Sicherheitslücke zu schaffen, die auch wirklich in fast allen, auf der Welt im Betrieb befindlichen Geräten darauf wartet, genutzt zu werden. Meltdown und Spectre sind die Gespenster in den Maschinen, die derzeit umgehen. Beide sind der Datensicherheit nicht eben zuträglich, aber Meltdown lässt das Herz der Hacker-Gemeinde weitaus höher schlagen, als es Spectre tut. Hier ist Intel ganz klar der Vorreiter in der Beseitigung der Sicherheit für die Nutzer. Grob gesagt, basiert beides darauf, dass moderne Prozessoren auch gewiefte Weissager sind, die gewisse Dinge im Voraus berechnen. Sogenannte Sprungziele beispielsweise. Sie treffen Vorhersagen, was in der Nahen Zukunft - für einen Prozessor sind das Zeiträume, in denen Sie nicht mal ein Blinzeln zuwege bringen - geschehen könnte und legen die Ergebnisse ab. Wenn sich die Vorhersage bewahrheitet, sparen sie damit kostbare Rechenzeit. Grundsätzlich kein schlechter Gedanke. Man hätte nur dafür sorgen müssen, dass die Ergebnisse dieser Weissagungen auch rechtzeitig bereinigt werden und außerdem Zugriffe darauf ausreichend beschränkt werden. Sonst kann ja jeder kommen und etwas auslesen, was er eigentlich nicht auslesen darf, da es sich ja um einen Blick in eine mögliche Zukunft handelt, die vielleicht, aus welchem Grund auch immer, gar nicht eintreffen soll.

Fehler passieren und Lücken in Systemen wird es immer geben. Was das Erschreckende daran ist, ist dass die Verantwortlichen bei den Herstellern der Gehirne unserer Computer schon lange davon wussten. Wirklich lange. Seltsamerweise hat dann ein CEO bei einem dieser Hersteller sein Aktienpaket, verdächtig knapp vor Bekanntwerden der Lücken, so weit wie eben noch erlaubt heruntergefahren. Sicher nicht deshalb, weil er bereits wusste, dass eine vollständige Behebung durch Software mit den aktuellen Prozessor-Designs gar nicht möglich ist. Unter Garantie auch nicht deshalb, weil kürzlich neue Prozessor-Generationen in die Märkte gepresst wurden, bei denen vollkommen klar war, dass auch dort Meltdown und Spectre in den Schaltkreisen spuken. Oder vielleicht doch genau aus diesen Gründen?

Staubsaugerroboter

Forscher haben sich einen Staubsauger vorgenommen. Das klingt nicht eben nach etwas, das in der heutigen Zeit noch eingehender Erforschung wert wäre. In diesem Fall war es aber ein kleiner unschuldiger Roboter, der in seine Einzelteile zerlegt und im Zuge dessen einem eingehenden Verhör unterzogen wurde. Hacking nennt man diese Form der Folter auch, wenn das Opfer ein Roboter ist. Die Folterknechte haben dabei herausgefunden, dass der kleine, possierliche Kerl eine Menge an Daten sammelt, während er seine Umgebung von Staub befreit. Diese Daten behält er nicht für sich, sondern teilt sie über die Datenautobahn mit seinen Erzeugern. Diese erhalten also genaue Informationen über die Wohnungen der neuen Besitzer dieser elektronischen Assistant Facility Manager (früher auch als Putzfrauen oder Reinigungskräfte bezeichnet). Eben so viel, wie Roboter mit einem recht einfachen Gehirn wahrnehmen können. Viel mehr als der Grundriss der Umgebung und Aufzeichnungen über die befahrenen Wege ist das kaum. Dennoch ruft dieser Umstand unweigerlich Vertreter der Spezies der Daten-Paranoiker auf den Plan. "Hexenwerk! Ewige Verdammnis!"

Grundsätzlich ist es natürlich nicht wünschenswert, dass all die neuen Helferlein, die uns das digitale Zeitalter beschert, neben der Erfüllung ihrer Funktion auch immer das Sammeln von Daten im Vorbeigehen erledigen. Dennoch sollte berücksichtigt werden, dass die meisten von uns freiwillig viel mehr an Information in sozialen Netzwerken preisgeben, als es ein einfacher Staubsauger-Roboter jemals könnte. Dazu kommt, dass auch eine althergebrachte Reinigungskraft mit der Zeit eine ganze Menge an Wissen über ihre Arbeitgeber sammelt. Und wer kann schon sagen, mit wem sie über das spricht, was sie tagtäglich hört und sieht. Ganz zu schweigen von dem, was sie zu wissen glaubt.

Leibeigenschaft

In einem kleinen, eigentlich sehr feinen Staat, am Rande der Alpen, der Monarchie, Adel und alle damit verbundenen Probleme überwunden hatte, kehren still und leise Konzepte aus vergangener Zeit zurück. Neue Herrscher halten nun das Zepter in den Händen. Herrscher, die ohne es den Untertanen allzu leicht zu machen das Ziel zu erkennen, dem alten Weg von sozial nach feudal folgen. Nicht alle der Untertanen gehen geregeltem Tagwerk nach und liegen so den Schatzmeistern auf der Tasche. Eine Lösung für das Problem ist flugs gefunden. Repressalien, Enteignung und dadurch die Steigerung der Bereitschaft, jedem Lehnsherren für auch das kleinste Almosen jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Lehnsherren, die bisher angehalten waren, sich nach Erlässen zu richten, die sie dazu zwangen, all diesen faulen Untertanen mehr als das absolut Nötigste als Sold für ihre Arbeitskraft angedeihen zu lassen. Aber nun, da jenen, die abseits der Fleißigen in den Tag hinein leben, Armut und Verstoßung droht, sind sie von diesen Qualen befreit. Heerscharen von neuen Sklaven stehen bereit, für etwas mehr als Nichts jede Arbeit zu verrichten, um Haus und Hof zu erhalten und einen Laib Brot zu ergattern.

Ob es wirklich die beste aller Ideen ist, in einer modernen Gesellschaft, in der die Zahl an Arbeitslosen immer größer ist, als die Zahl der verfügbaren Arbeitsstellen - gedankt seis Automatisierung, Digitalisierung und der Magie von Outsourcing - darauf zu setzen, Menschen durch schleichende Enteignung in Arbeit zu zwingen, die es nicht gibt, sei dahingestellt. Was es in jedem Fall bringt, sind Einnahmen für jene die herrschen und nur sehr ungerne teilen. Menschen, die Arbeit haben, zittern davor, diese zu verlieren, da ihnen sonst das Schicksal derer droht, die nicht vom Glück gesegnet sind. Verlust aller Ersparnisse. Verarmung. Also stellen sie keine Ansprüche mehr, da dann die Gefahr besteht, zu unbequem und teuer für ihre Arbeitgeber zu werden. Jene die ihr Dasein bereits abseits des Arbeitsmarktes fristen, kämpfen um jede Möglichkeit, wieder dorthin zurück zu finden. Und sei sie noch so prekär. Das Ziel ist erreicht. Billiges Menschenmaterial. In einer Zeit des Wandels, der die Welt mehr und mehr von menschlicher Arbeitskraft unabhängig macht, werden dadurch Reiche reicher und alle anderen ein klein wenig ärmer. Und irgendwann, in ferner Zukunft, wird niemand mehr all die schönen Dinge kaufen können, die automatisiert von Bändern laufen. Fast niemand.

Bitcoin

Oder auch das Geld, das es nicht gibt. Wobei es genau genommen auch das Geld, das wir bisher gewohnt waren nicht wirklich gibt. Zumindest nicht den Wert, der dahinter steckt. Der ist völlig unabhängig von dem Papier, auf das Zahlen gedruckt werden, oder vom Metall der klimpernden Münzen. Aber wenigstens kann man das Zeug angreifen. Wenn man sein Geld sehen möchte, kann man sich welches vom Bankomaten des Vertrauens abholen und es in Händen halten. Man kann es irgendwo vergraben, um zwielichtigen Gestalten den Zugriff darauf zu verwehren. Bitcoin und andere digitale Währungen räumen mit diesem Konzept auf. Endlich gibt es Geld, das man nicht mal mehr angreifen kann. Eine der größten Sorgen jedes Einzelnen rund um das eigene Vermögen wird zur grausamen Realität. Kann man es an sich nehmen, um es vor möglichen Gefahren in Sicherheit zu bringen? Mit einer digitalen Währung ist das wohl kaum möglich. Oder doch?

Wie ein bemitleidenswerter Brite kürzlich bewiesen hat, können auch Bitcoins außerhalb der digitalen Welt transportiert, weggeworfen, oder vergraben werden. Wie geht das? Man kann natürlich kein Bad in einem Berg aus virtuellen Münzen nehmen, aber sie befinden sich dennoch in einer virtuellen Geldbörse. Diese Geldbörse ist irgendwo gespeichert. Wenn man es klug angeht, dann nicht dort draußen im weiten, unsicheren Netz, in das unzählige Verbrecher ihre virtuellen Finger strecken, sondern im eigenen, kuscheligen Zuhause. Auf einer Festplatte zum Beispiel. Und die kann man problemlos mit sich herumtragen. Sie vergraben. Sie verlieren. So wie jede andere Geldbörse auch. Bitcoins gibt es also doch wirklich. Sie können sie auch wie gehabt unter dem Kopfkissen verstecken.

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