Leibeigenschaft

In einem kleinen, eigentlich sehr feinen Staat, am Rande der Alpen, der Monarchie, Adel und alle damit verbundenen Probleme überwunden hatte, kehren still und leise Konzepte aus vergangener Zeit zurück. Neue Herrscher halten nun das Zepter in den Händen. Herrscher, die ohne es den Untertanen allzu leicht zu machen das Ziel zu erkennen, dem alten Weg von sozial nach feudal folgen. Nicht alle der Untertanen gehen geregeltem Tagwerk nach und liegen so den Schatzmeistern auf der Tasche. Eine Lösung für das Problem ist flugs gefunden. Repressalien, Enteignung und dadurch die Steigerung der Bereitschaft, jedem Lehnsherren für auch das kleinste Almosen jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Lehnsherren, die bisher angehalten waren, sich nach Erlässen zu richten, die sie dazu zwangen, all diesen faulen Untertanen mehr als das absolut Nötigste als Sold für ihre Arbeitskraft angedeihen zu lassen. Aber nun, da jenen, die abseits der Fleißigen in den Tag hinein leben, Armut und Verstoßung droht, sind sie von diesen Qualen befreit. Heerscharen von neuen Sklaven stehen bereit, für etwas mehr als Nichts jede Arbeit zu verrichten, um Haus und Hof zu erhalten und einen Laib Brot zu ergattern.

Ob es wirklich die beste aller Ideen ist, in einer modernen Gesellschaft, in der die Zahl an Arbeitslosen immer größer ist, als die Zahl der verfügbaren Arbeitsstellen - gedankt seis Automatisierung, Digitalisierung und der Magie von Outsourcing - darauf zu setzen, Menschen durch schleichende Enteignung in Arbeit zu zwingen, die es nicht gibt, sei dahingestellt. Was es in jedem Fall bringt, sind Einnahmen für jene die herrschen und nur sehr ungerne teilen. Menschen, die Arbeit haben, zittern davor, diese zu verlieren, da ihnen sonst das Schicksal derer droht, die nicht vom Glück gesegnet sind. Verlust aller Ersparnisse. Verarmung. Also stellen sie keine Ansprüche mehr, da dann die Gefahr besteht, zu unbequem und teuer für ihre Arbeitgeber zu werden. Jene die ihr Dasein bereits abseits des Arbeitsmarktes fristen, kämpfen um jede Möglichkeit, wieder dorthin zurück zu finden. Und sei sie noch so prekär. Das Ziel ist erreicht. Billiges Menschenmaterial. In einer Zeit des Wandels, der die Welt mehr und mehr von menschlicher Arbeitskraft unabhängig macht, werden dadurch Reiche reicher und alle anderen ein klein wenig ärmer. Und irgendwann, in ferner Zukunft, wird niemand mehr all die schönen Dinge kaufen können, die automatisiert von Bändern laufen. Fast niemand.

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